Klarheit über die eigene Rolle
Was macht man, wenn man im Zug nach Groningen sitzt, um den Sohn im Auslandssemester zu besuchen – und aus geplanten 8 plötzlich 12 Stunden werden?
Kurz ärgern. Und dann etwas tun, wofür im Alltag oft kein Platz ist.
Ich habe mir in dieser Zeit die Personal-Branding-Canvas von Dr. Kerstin Hoffmann vorgenommen. Eigentlich mit der Erwartung, ein paar gute Formulierungen für meine Website zu finden.
Bekommen habe ich etwas anderes: Klarheit.
Mehr Erkenntnisse über mich, meine Arbeit, meine Stärken und das, was ich künftig wirklich tun will, als aus manchem Workshop und Tool, das ich in den letzten Jahren ausprobiert habe.
Warum das mehr ist als Selbstoptimierung
Die Arbeit an der eigenen Positionierung klingt nach Marketing. Nach LinkedIn-Profil und Elevator Pitch. Aber eigentlich geht es um etwas anderes: um Klarheit über die eigene Rolle.
Was genau ist mein Beitrag? Wo liegt meine Verantwortung – und wo nicht? Welche Erwartungen kann ich erfüllen, welche nicht? Was will ich eigentlich?
Das sind Fragen, die sich Führungskräfte in Non-Profit-Organisationen oft nicht stellen. Nicht aus Desinteresse, sondern aus Zeitmangel. Der Alltag ist voll mit operativen Anforderungen, Gremienarbeit, Abstimmungen. Für Reflexion bleibt wenig Raum.
Die Folge: Unschärfe
Wenn Führungskräfte keine Klarheit über ihre eigene Rolle haben, wird Führung diffus. Entscheidungen werden aufgeschoben, Verantwortung bleibt implizit, Konflikte schwelen.
Das ist kein persönliches Versagen. Es ist ein Strukturproblem. Denn die meisten Organisationen schaffen keine Räume für diese Art von Reflexion. Sie erwarten, dass Führungskräfte funktionieren – nicht, dass sie sich mit sich selbst auseinandersetzen.
Was dabei hilft
Es braucht keine aufwendigen Programme. Manchmal reicht ein Werkzeug wie die Personal-Branding-Canvas. Manchmal ein Sparring mit jemandem, der außerhalb des Systems steht. Manchmal vier Stunden unfreiwillige Zugverspätung.
Entscheidend ist: sich die Zeit nehmen. Und die Fragen zulassen.
Was mir dabei wieder aufgefallen ist: Gute Kommunikation nach außen beginnt mit Klarheit nach innen. Schöne Sätze und Positionierungen sind Nebenprodukte. Der eigentliche Effekt entsteht tiefer.
Vielleicht war die Zugverspätung also kein Defekt im System. Sondern ein brauchbarer Denkraum.
Sie führen eine Non-Profit-Organisation und merken, dass Ihre Rolle unscharf geworden ist? Lassen Sie uns sprechen.